Inhaltsverzeichnis:

1. Der Kinderladen stellt sich vor

  • Lage
  • Soziales Umfeld
  • Räume und Außengelände
  • Struktur der Kindergruppe
  • Mitarbeiter/innen

2. Voraussetzung der Arbeit und pädagogische Ziele

  • Worin sehen wir unsere Rolle als Erzieherinnen?
  • Unser Bild vom Kind
  • Die Rechte der Kinder
  • Welche Ziele haben wir in der pädagogischen Arbeit?

3. Prinzipien und Grundsätze unserer pädagogischer Arbeit

  • Die Arbeit nach Maria Montessori
  • Altersgemischte Gruppen
  • Integration behinderter Kinder
  • Das Berliner Bildungsprogramm

4. Inhaltliche Einzelfragen

  • Die Eingewöhnung
  • Der Tagesablauf
  • Die Elternarbeit
  • Die Ernährung
  • Regeln
  • Öffnung nach Innen und Außen
  • Sonstiges

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1. Der Kinderladen stellt sich vor

Lage:
Der Kinderladen befindet sich in einer ruhigen Seitenstraße des Bezirkes Kreuzberg.
In unmittelbarer Nähe des Kinderladens befinden sich des Volkspark Hasenheide, der mit zwei großen Spielplätzen, einem Tiergehege und vielen Grünflächen diverse Möglichkeiten des Spielens und Entdeckens bietet.

Auch der Böcklerpark, der Urbanhafen sowie weitere Spielplätze sind zu Fuß erreichbar, so dass die Kinder viele Möglichkeiten haben, abseits der großen Straßen ihre Umgebung entdecken zu können.

Auch ein Kino, Theater, Sportanlagen, Tanz- und Turnräume, eine Kunstwerkstatt, sowie verschiedene Schwimmbäder sind in der Nähe und bieten Raum für eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung.
Der Kinderladen befindet sich in der Nähe des U-Bahnhofes Herrmannplatz und verschiedenen Buslinien, so dass die Verkehrsanbindung für Ausflüge in die weitere Umgebung sehr gut ist.
Soziales Umfeld:
Im Bezirk Kreuzberg leben viele unterschiedliche Kulturen zusammen. Auch die Art der Wohn- und Lebensverhältnisse ist sehr unterschiedlich.
Erfahrungsgemäß lässt sich sagen, dass eher der gehobene Mittelstand an Plätzen in Elterninitiativkinderläden vertreten ist, wie hoffen und bauen jedoch auf eine Mischung, die auch dem Lebensumfeld entspricht. Wir wollen Benachteiligungen abbauen und auch Kindern aus Migrantenfamilien, als auch aus sozial benachteiligten Familien die gleichen Chancen und Möglichkeiten eröffnen.
Eine gute Mischung trägt viel zu sozialem Verständnis bei und bietet den Kindern und ihren Familien unzählige Möglichkeiten voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Räume: folgt..
Struktur der Kindergruppe: kleine Altersmischung von 1-6
Mitarbeiter/innen: zwei Erzieherinnen und wenn mgl. ein Zivi/Praktikanten

 

2. Voraussetzung der Arbeit und pädagogische Ziele

Worin sehen wir unsere Rolle als Erzieherinnen?:
Das Wohl jedes einzelnen Kindes steht im Vordergrund unserer pädagogischen Arbeit.Nur wenn sich ein Kind geborgen, angstfrei und sicher fühlt kann es voller Freude seiner kindlichen Neugier nachgehen und wird Stück für Stück seine Umwelt erkunden.

Respekt, Liebe und Aufmerksamkeit sind wichtige Grundlagen in der Arbeit mit Kindern.
Respekt gegenüber jedem Kind bedeutet dem Äusserungen der Kinder verbaler und nonverbaler Art offen gegenüberzustehen, sie ernst zu nehmen und angemessen zu reagieren.
Den Gefühlen der Kinder müssen wir respektvoll und ehrlich gegenüberstehen, nur so werden die Kinder lernen auch anderen gegenüber einen respektvollen Umgang zu entwickeln.
Liebe ist ein Fundament, auf dem sich die Arbeit mit den Kindern aufbaut. Hierbei geht es uns nicht darum eine Mutterrolle einzunehmen oder die Mutterliebe zu ersetzen, sondern darum für einen Teil des Tages eine bindungsähnliche Beziehung zu den Kindern zu haben, um ihnen die schon angesprochene nötige Sicherheit zu geben und ihnen in schwierigen Situationen Trost, Zuwendung und Liebe geben zu können.

Aufmerksamkeit ist für uns Erzieherinnen sehr wichtig. Hierbei geht es nicht nur um die Aufsichtspflicht, sondern auch um gezieltes Beobachten der einzelnen Kinder. Nur durch gezieltes Beobachten jedes einzelnen Kindes ist es uns möglich die Interessen und Fähigkeiten, aber auch Defizite, Schwächen und Probleme der Kinder zu erkennen und sie entsprechend zu fördern.
Nur durch Aufmerksamkeit haben wir die Möglichkeit auf die Kinder zu reagieren, sie zu unterstützen und wenn nötig zu helfen.

Wir haben eine wichtige Rolle als Vorbild, sowohl sprachlich, musisch, künstlerisch, motorisch etc, als auch bei Konfliktlösungen, im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Fähigkeiten ( Integration behinderter Kinder).

Diese Vorbildfunktion gibt uns eine besondere Verantwortung. Wir wollen unsere eigene Gefühle nicht vor den Kindern verbergen, sondern ihnen zeigen, dass auch Erwachsene nicht perfekt und allwissend , aber bereit sind sich weiterzuentwickeln und dazuzulernen.
Die Rolle der Erzieherin sehen wir als eine begleitende. Dazu gehört der Balanceakt zwischen Distanz und Nähe, der sich in einer Interaktion zwischen Kind und Erzieherin täglich vollzieht.
Die Kinder dürfen nicht überbehütet und vor Allem und Jedem beschützt werden, das Lernen durch Konflikte und Probleme ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung und des Lernens. Unsere Aufgabe ist es die Kinder dabei zu unterstützen, und ihnen wenn nötig Anregungen für Lösungen zu geben.

Wir haben einen Bildungsauftrag, der zum einen die Förderung der Kinder auf bestimmten Wissensgebieten ( z.B. Sprache, Schriftkultur, Medien, soziale und kulturelle Umwelt, bildnerisches Gestalten, Musik, mathematische Grunderfahrungen, naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen, Körper- Bewegung-Gesundheit), zum anderen ist uns die sozial emotionale Entwicklung sehr wichtig.
Unsere Arbeit bezieht nicht nur die Kinder mit ein, sondern auch die Eltern. Sie sollen in den Alltag integriert sein. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin Ansprechpartner bei Problemen zu sein, aber auch unabhängig davon stets im Gespräch zu bleiben, um den Kinderladen zu einem offenen Ort und keiner isolierten Betreuungsinstitution zu gestalten.

Unser Bild vom Kind:

Das eigene Bild vom Kind lässt sich schwer in Worte fassen, wir wollen es trotzdem versuchen:
Es gibt viele Menschen, welche die “Tabula-Rasa-Theorie”vertreten, die besagt, dass Kinder ohne eigene Wesenszüge und ein eigenes “Ich” auf die Welt kommen, sondern ihr gesamter Charakter auf die Erziehung und die Umwelt zurückzuführen ist.
Diese Meinung vertreten wir nicht. Wir sind der Ansicht, dass die Kinder individuelle Charakterzüge mit auf die Welt bringen. Diese Individualität ist zu respektieren. Das Kind ist unabhängig von seiner körperlichen und geistigen Entwicklung zu achten.
Sicherlich ist es wichtig den Kindern Grenzen und Regeln zu vermitteln. Diese sind zum Schutz der Gruppe und jedes einzelnen Kindes vorhanden. Sie geben den Kindern wichtige Orientierungspunkte und einen sicheren Rahmen, in dem sie sich bewegen können. Jedoch ist auch immer zu prüfen in wie weit einzelne Regeln aktuell sind, bzw. in wie weit sie auf einzelne Kinder anwendbar sind.
Jedes Kind ist einzigartig und sollte auch so behandelt werden. Die Kinder sind zwar in einer Gruppe, sie sollen sich jedoch als ein Teil davon verstehen lernen, bei dem jeder einzig und anders ist und sie nicht zu einer Masse gehören, in der alle gleich werden sollen.
Wir sehen das Kind als eigenständiges Wesen, das die Welt aus einem inneren Antrieb, aus Interesse oder einer Motivation heraus erkundet. Es geht nicht um den kürzesten oder erfolgversprechensden Weg, auch nicht immer um klar definierbare Ziele, sondern um das Tun an sich. Der Grund dafür bleibt uns oft verborgen.

Das Kind braucht unser Zutrauen und die Möglichkeit Dinge selbst zu entscheiden. Es muss seine Fähigkeiten und Fertigkeiten im alltäglichen Leben erproben und eigene Erfahrungen machen.
Wenn wir den Kindern immer nur unseren eigenen Willen aufzwingen, sie bevormunden und ihren Äußerungen, Gefühlen und ihrem Handeln keine Bedeutung und Achtung entgegenbringen, schaden wir den Kindern in vielerlei Hinsicht. Wir fordern zum einen ihren Protest und ihren Widerstand regelrecht heraus und zerstören zum anderen seine Aktivitäten und mit der Zeit auch die Neugier und das Interesse die Welt zu erforschen. Die kindliche Wahrnehmungswelt ist eine andere als die der Erwachsenen. Was wertvoll zu erforschen ist und was nicht dürfen wir nicht entscheiden, die Interessen der Kinder sind die Grundlage für den Aufbau unserer Arbeit.
Der Aneignungs- und Bildungsprozess des Kindes ist an das unmittelbare Erleben in seiner Umwelt gebunden. Es geht nicht um abstraktes Lernen, sondern um das Handeln, bei dem sich das Kind ein Bild von sich selbst, ein Bild von den anderen und ein Bild von der Welt in der es sich bewegt machen kann. Den Kindern den nötigen Erfahrungsraum, Materialien und vielfältige Angebote zu machen, bei denen alle Sinne angesprochen werden, die Kinder also ganzheitlich zu fördern, darin liegt unsere Aufgabe.

Das Bild vom Kind kann sich verändern, denn es ist immer auch abhängig von persönlicher Entwicklung, kulturellem und gesellschaftlichem Hintergrund. Jedoch gibt es Grundgedanken, die eine Basis bilden, auf der das Kind als gleichwertiger Partner gesehen wird, ein Partner den man mit Respekt und Vertrauen behandeln muß auch wenn er anders handelt und anders denkt, als wir selbst.

Die Rechte der Kinder:
1. Das Recht des Kindes so akzeptiert zu werden, wie es ist. Das bedeutet:
einem Kind ohne Vorurteile zu begegnen eigene Vorurteile ständig zu überprüfen und zu hinterfragen Kinder nicht zu verurteilen, sondern Ursachen für ihr Handeln untersuchen Das Kind dort abholen, wo es wirklich steht

2. Das Recht auf ein eigenes Tempo bei dem Entwicklungsprozess. Das bedeutet:
Anregung und Orientierung geben, doch das Kind entscheidet selbst mit was es sich beschäftigen möchte und wielange dies dauert Kein Zwang beim Spielen, Schlafen, dem Weg von der Windel zur Toilette, etc

3. Das Recht auf Befriedigung seiner individuellen Bedürfnisse. Das bedeutet:
Essen und trinken, wenn das Kind Hunger und Durst hat
Schlafen und Ausruhen, wenn das Kind müde ist
Zuneigung geben, wenn das Kind unseren Trost braucht oder es kuscheln möchte
Auch das Recht zu lernen Bedürfnisse zu regulieren

4. Das Recht vielfältige eigene Erfahrungen zu machen. Das bedeutet:
Dem Kind Zugang zu allen Materialien zu bieten
Dem Kind keine einseitigen, monoten Arbeitsmaterialien anzubieten, sondern Material, dass alle Sinne anspricht und fordert
Die Kinder zwar vor Gefahren schützen, jedoch sie nicht überbehüten, sondern ausprobieren lassen und Gefahren mit den Kindern zusammen erörtern
Fehler akzeptieren und zulassen, es geht nicht um Perfektion

5. Das Recht seine Spielpartner frei zu wählen und auch das Recht alleine sein zu wollen (beiständigem Rückzug sind Ursachen zu prüfen)

6. Das Recht Konflikte auszutragen und Probleme zu lösen und das Recht auf Unterstützung dabei, wenn es sie braucht

7. Das Recht Grenzen zu haben und Konsequenzen zu erfahren, wenn z.B. geschlagen wird oder Spielsachen, Bastelsachen, o.ä. bewußt zerstört werden

8. Das Recht auf eine gewaltfreie, konfliktarme, positive, harmonische Atmosphäre

9. Das Recht auf zuverlässige Absprachen und verlässliche Beziehungen zu den Erwachsenen

10. Das Recht auf Kommunikation und/oder Interaktion. Das bedeutet:
Aufmerksames zuhören
Correctives Feedback
Blickkontakt
Kinder ausreden lassen
Äußerungen und Gefühle von Kindern ernst nehmen- ein “nein” akzeptieren

11. Das Recht auf eine gleichwertige Beziehung zu den Erwachsenen
12. Das Recht auf Hilfe und Schutz, Zuwendung und Liebe, Distanz und Nähe
13. Das Recht auf Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen und das Recht die unterschiedliche Lebensreiche von ihnen zu akzeptieren
14. Das Recht auf gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern
15. Das Recht auf den Einbezug sozialer, kultureller, ökologische und individueller Lebensweisen und den Abbau von Benachteiligungen oder Diskriminierung

 

 

Welche Ziele haben wir in der pädagogischen Arbeit?:
1. Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein

Die Entwicklung des Kindes beinhaltet, dass das Kind erst einmal sich selbst wahrnimmt, seine eigenen Bedürfnisse ausdrückt und sein eigenes handeln als wirkungsvoll erlebt. Dabei ist es darauf angewiesen, dass wir seine Bedürfnisse wahrnehmen und zügig und angemessen darauf reagieren. Nur wenn Kinder sich ernst genommen und angenommen fühlen und erfahren, dass wir ihnen Akzeptanz, Vertrauen und Sicherheit geben und sie bei ihrer Entfaltung begleiten, anstatt sie zu bevormunden, werden sie ihr eigenes Selbst als positiv und wertvoll empfinden.
Vertrauen zu sich selbst hat viel mit Vertrauen zu anderen zu tun. Diese Basis müssen wir den Kindern bieten und ihnen im gleichen Moment ebensoviel Vertrauen entgegenbringen.
Nur wenn die Kinder sich selbst bewußt sind, also ihre eigenen Gefühle und Gedanken als wichtig erleben sind sie in der Lage auch die Gefühle und Gedanken der anderen in ihr Handeln mit einzubeziehen und diese auch ernst zu nehmen. Hierzu gehören auch Konflikte, Probleme und Auseinandersetzungen, der Kinder untereinander und zwischen Kind und Erwachsenem.
Die Kinder sollen lernen selbst Entscheidungen zu treffen, eigene Grenzen zu spüren und auch über sich selbst hinaus zu wachsen, wenn sie dazu bereit sind, mit der Gewißheit, dass eine helfende Hand ihnen zur Seite steht, wenn sie diese brauchen.
2. Selbstständigkeit

Die Kinder sollen lernen verschiedenen Lebensbereiche im Alltag alleine zu bewältigen.
Dazu gehört das Essen, wie z.B. das Schmieren vom Frühstücksbrot, schneiden von Obst und Gemüse, Umgang mit Besteck etc .
Die Kinder lernen sich selbst an- und auszuziehen, wobei es nicht wichtig ist, ob alles richtig angezogen ist und richtig sitzt. Auch das Binden von Knoten und Schleifen können die Kinder nach und nach lernen.
Der Gang zur Toilette, sowie das Waschen und Zähneputzen werden die Kinder selbst bewältigen, zum einen geben ihnen die anderen Kinder eine Orientierung und auch die Erzieherin ist den Kindern ein Vorbild.
Die Kinder lernen durch das Abschauen mehr als wir wahrnehmen, daher ist es niemals nötig den Kindern etwas anzutrainieren, denn sie haben den Drang zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Wir müssen ihnen nur den Raum dazu lassen und ihnen ein Vorbild sein.
Die Kinder werden in die täglich anfallenden Arbeiten miteinbezogen, wie Tischdecken, Fegen, Abwaschen etc. Diese Aufgaben geben ihnen Verantwortung und sind nicht abstrakt, sondern ihr direktes Leben betreffend. Dies sind die besten Voraussetzungen, um sebstständiges Handeln zu fördern.
3. Sozialverhalten

Soziales Verhalten läßt sich nur im Umgang mit anderen Menschen lernen. Auch hier ist eine Vertrauensbasis das Fundament, ebenso wie die Vorbildsfunktion der Erwachsenen. Die Kinder schauen sich ab, wie wir mit anderen Menschen umgehen, wie wir Konflikte lösen, was Freundschaft und Zuneigung bedeutet, aber eben auch Ablehnung.
Die Kinder lernen im Umgang miteinander welche Verhaltensweisen in der Gruppe akzeptiert werden und welche nicht. Sie erfahren Sanktionen von den anderen Kindern und ggf. auch von den Erwachsenen, so dass sie vielleicht ihr Verhalten im Spiel ändern oder neue Wege suchen Freundschaften zu schließen.
Viele Verhaltensweisen werden im Rollenspiel erprobt und vertieft. Dieses Spiel bietet auch für uns eine Chance Probleme nachzustellen, Hierarchien aufzulösen und Konflikte für die Kinder transparenter zu machen.
Kinder lernen am Modell und fordern uns heraus Modell zu sein. Wir müssen ihnen die nötige Orientierung geben und dürfen sie keiner Wechselhaftigkeit aussetzen, also die Regeln und Grenzen nicht willkürlich ändern. Sie müssen konstant sein und für die Kinder logisch und nachvollziebar sein.
4. Ehrlichkeit / zu seinen Fehlern stehen

Es ist wichtig, dass die Kinder zu dem stehen, was sie gemacht haben und das Vertrauen haben uns dies mitzuteilen.
Wir werden nur Ehrlichkeit erreichen, wenn wir selber ehrlich sind und mit den Kindern im Gespräch bleiben. Das mitteilen eigener Gefühle gehört dazu und ebenso die Reflektion über uns selbst.
Wenn die Kinder keine Angst vor uns haben und erleben, dass wir auch nicht perfekt sind werden sie uns auch ehrlich gegenübertreten und lernen für ihr eigenes Handeln Konsequenzen zu tragen.
5. Neugierde unterstützen, Kreativität fördern, Wissen erwerben

Die kindliche Neugierde und den Drang die Umwelt zu erforschen ist bei jedem Kind vom Zeitpunkt seiner Geburt vorhanden. Wir dürfen diese nicht bremsen und ersticken, sondern haben die Aufgabe dem Kind eine Umgebung zu bieten, die es ihm ermöglicht diesen Drang auszuleben.
Hierzu gehört zum einen wieder die Wichtigkeit der Sicherheit und des Vertrauens, denn nur wenn das Kind die nötige emotionale Sicherheit hat wird es seiner Neugier nachgehen können und sich zu uns begeben, wenn es unsicher ist und Stabilität braucht.
Hinzukommt eine anregungsreiche Umgebung (der Raum ist der dritte Erzieher), die es dem Kind ermöglicht frei zu entscheiden wie es sich beschäftigen möchte. Diese Wahl ist an Angebote und Projekte gekoppelt, die wir an den Interessen der Kinder auswählen und anbieten.
Kreativität und Wissen begrenzt sich nicht auf das Malen eines Bildes, das Zählen lernen oder das Auswendiglernen von Liedern. Wissen ist vielfältig und sehr individuell. Es hat eigenes Tempo und einen eigene Ausdruck.
Durch die ganzheitliche Förderung vermitteln wir den Kindern kein abstraktes eindimensionales Wissen, sondern Wissen, dass sie selbst zum Denken anregt, ihre Sinne anspricht und handlungsbezogen ist.
Wir erfüllen einen Bildungsauftrag, in dem wir den Kindern die bestmöglichen Erfahrungsräume zur Verfügung stellen und diese – abhängig vom individuellen Entwicklungsstand der Kinder – mit ihnen zusammen erforschen. Sie begleiten und für ihre Fragen und Interessen offen sind, so dass sie es als wichtig erleben neugierig zu bleiben und den Wissensdurst zu stillen.
6. Kompromißfähigkeit/ Konfliktfähigkeit

Die Kinder haben die Möglichkeit an Angeboten teilzunehmen und diese aktiv mitzugestalten.
Dazu gehört auch sich mit den anderen Kindern über verschiedene Spielideen auseinanderzusetzen und gemeinsame Ziele auszuhandeln.
Die Kinder lernen Entscheidungen zu treffen und auch eigene Bedürfnisse für den Moment zurückzustellen, sich auf Neues einzulassen und Spass an der Weiterentwicklung von Projekten und Spielen zu entfalten.
In Konflikten lernen die Kinder “nein” zu sagen und auch das “nein” eines anderen zu akzeptieren.
Der Umgang mit Frustration ist ein wichtiger Lernschritt, bei dem die Kinder auf unsere Unterstützung angewiesen sind.
7. Akzeptanz verschiedener Kulturen, Sprachen, Behinderungen etc

Unser Ziel ist es, dass die Kinder verschiedene Kulturen, Religionen und Sprachen kennenlernen und behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam aufwachsen.
Als Teil ihres Sozialverhaltens ist es wichtig Menschen unabhängig ihre Sprache, Religion, Hautfarbe und individueller Fähigkeiten zu respektieren und sich mit unterschiedlichen Lebensweisen auseinanderzusetzen (siehe auch billinguale Erziehung und Integration behinderter Kinder).

8. Offenheit, Elternarbeit

Unser Ziel ist es offen für alle Anregungen zu bleiben und uns pädagogisch weiterzuentwickeln. Wir wollen nicht stillstehen, sondern im Gespräch bleiben. Die Elternarbeit gehört zum allgemeinen Wohlbefinden dazu, denn nur wenn die Eltern sich bei uns willkommen fühlen, werden sich auch die Kinder geborgen fühlen. ( siehe auch Elternarbeit) .
3. Prinzipien und Grundsätze unserer pädagogischer Arbeit

Die Arbeit nach Maria Montessori:

Zentrales Anliegen der Pädagogik Maria Montessoris ist eine “neue” Grundhaltung und Einstellung dem Kind gegenüber: Nicht das Kind soll seine Erzieherin bewundern, sondern umgekehrt; die Erzieherin bewundert die Fähigkeiten des Kindes und beobachtet, wie es sich zum Menschen entwickelt. Ziel ist es, die Eigenkräfte des Kindes voll zur Entfaltung kommen zulassen .
Prinzipien der Montessori-Pädagogik sind:
das Kind in seiner Persönlichkeit achten, es als ganzen, vollwertigen Menschen sehen
seinen Willen entwickeln helfen, indem man ihm Raum für freie Entscheidungen gibt; ihm helfen, selbständig zu denken und zu handeln
ihm Gelegenheit bieten, dem eigenen Lernbedürfnis zu folgen, denn Kinder wollen nicht nur irgendetwas lernen, sondern zu einer bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes (sensible Phasen)
ihm helfen, Schwierigkeiten zu überwinden statt ihnen auszuweichen
Freiarbeit
… ist das Kernstück der reformpädagogischen Bildung Montessoris. Die Kinder wählen nach eigener Entscheidung, womit sie sich beschäftigen. Das Montessori-Material, die kindgerechte Darstellung der Angebote und die gute Beobachtungsgabe des Erziehers helfen dem Kind dabei, sich für ein Angebot zu entscheiden.
Dann bestimmt das Kind weitgehend selbst den Arbeitsrhythmus und die Beschäftigungsdauer und auch, ob es allein oder mit einem Partner arbeiten, spielen oder lernen möchte.
Diese freie Entscheidung führt zu einer Disziplin, die von innen kommt und nicht vom Erzieher gemacht wird. Jeder Besucher, der nicht mit der Montessori-Pädagogik vertraut ist, bewundert diese ruhige und entspannte Arbeitsatmosphäre in der Freiarbeit nach Montessori.
Die Montessori-Erzieher
… verstehen sich als Helfer zur Entwicklung selbständiger Persönlichkeiten. Zur rechten Zeit sind ihre Worte und ihre Konsequenz gefragt. Sie sind sehr flexibel. Mit Geduld erklären sie den Gebrauch der (Montessori-) Materialien und unterstützen die Kinder, damit umzugehen. Sie bringen das Kind auch in Beziehung zur Ordnung in ihrer Umgebung.


Der situationsorientierte Ansatz: 

Zielsetzung dieses Ansatzes ist es den Kindern die Möglichkeit zu bieten Lebensereignisse und erlebte Situationen, die die Kinder beschäftigen nachzuerleben, diese zu verstehen und aufzuarbeiten bzw, zu verändern, damit sie die Erfahrung machen gegenwertiges Leben zu verstehen und praktische Situationen bewältigen zu können. dabei werden die individuellen Erfahrungen eines jeden Kindes – soweit wie möglich- berücksichtigt mit dem Ziel eigene, lebenspraktische Fähigkeiten aufzubauen und zu erweitern, Erfahrungshorizonte zu vergrößern, Selbstständigkeit weiterzuenrwickeln und sich selbst als einen Teil in der Umwelt zu verstehen. Das Schwergewicht der Arbeit wird auf der Vernetzung von Situationen im und außerhalb des Kinderladens liegen und künstlich hergestellte, idealtypische Situationen vermeiden.

Die Erzieher/innen haben hierbei die Aufgabe durch Beobachtung und Wachsamkeit sich die Lebensbereiche der Kinder zu vergegenwertigen, für die Kinder wichtige Situationen zu sammeln und zu analysieren, dann Situationen auszuwählen und gemeinsam mit den Kindern ein Projekt zu planen und durchzuführen.

Der situationsorientierte Ansatz bezieht sich immer auf das direkte Geschehen im Leben des Kindes und der Kindergruppe. Den Kindern werden keine “fremden Interessen ” auferlegt, sondern ihre Kompetenzen werden durch ihre eigene Auseinandersetung mit der Umwelt erweitert.
Altersgemischte Gruppen:
In unserem Kinderladen werden Kinder in einer kleinen Altersmischung von einem Jahr bis zu Schuleintritt betreut.
Altersgemischte Gruppen bieten Kindern und Erwachsenen einige wesentliche Vorteile gegenüber einer altershomogenen Gruppe.
Große und kleine Kinder lernen wechselseitig voneinander. Die “Kleinen” schauen sich vieles von den “Großen” ab und lernen so ganz selbstverständlich am Vorbild. So werden sie früher oder später von selbst die Toilette benutzen wollen und auf die Windel verzichten und nicht mehr gefüttert werden wollen weil sie es bei den großen Kinder sehen. Im Gegenzug lernen die großen Kinder auch vieles von den Kleineren. Sie nehmen Rücksicht, sind Hilfsbereit und entwickeln so ein besseres Sozialverhalten und weniger Rivalitäten.
Die Betrachtung und Beurteilung eines Kindes unter bestimmten Leistungsansprüchen ist immer mit Vergleichen, Lob, Neid, Tadel und Konkurenz verbunden. Diese Bewertungen machen unselbstständig, verängstigen und lassen das Selbstbewußtsein nur unter erschwerten Bedingungen wachsen. Diese Bewertungen sind es auch, die das soziale Verhalten einschränken. In der Altersmischung werden die Kinder nicht ständig miteinander verglichen. Da sowieso alle unterschiedlich sind kann auch keiner als “höher, weiter oder besser” angesehen werden.

Die Kinder werden in ihrem aktuellen Entwicklungsstand akzeptiert und akzeptieren sich selbst und die anderen so wie sie sind.
Die Kinder erleben eine familiennahe Atmosphäre, in der sie Geschwisterähnliche Konstellationen erleben.
Die Altersmischung bietet mehr Raum für Erfahrungen, da der pflegerische Anteil der Arbeit geringer ist, als z.B. in einer Krippe bleibt mehr Zeit für die pädagogische Arbeit.
Schwächen, Stärken, Bedürfnisse, Interessen und Vorlieben unterschiedlicher alter Kinder werden in eine soziale Gruppe integriert. Die Kinder und die Erwachsenen lernen nicht nur Rücksicht zu nehmen, sondern auch, dass man viele Wünsche unabhängig von dem Entwicklungsstand umsetzen kann.


Die Integration behinderter Kinder:

Die Integration behinderter Kinder hat für uns einen hohen Stellenwert, da sie zu dem gemeinsamen Aufwachsen von Kindern mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten dazugehört und in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu wenig Raum, Achtung und Selbstverständlichkeit findet. Auch hier lernen die Kinder zum einen (ähnlich wie durch die Altersmischung) gegenseitig voneinander, zum anderen lernen sie wieder Kinder mit Behinderungen zu akzeptieren und sie als Menschen mit besonderen Eigenschaften zu sehen.
Behinderte Menschen werden aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt und verschwinden immer mehr aus unserem unmittelbaren Lebensumfeld. Dem wollen wir entgegenwirken, in dem wir mit ihnen Leben und sie mit uns aufwachsen lassen.
Wir bemühen uns Auffälligkeiten und Schwierigkeiten der Kinder zu erkennen und ihnen die entsprechende Unterstützung zu geben.
Für das Team bedeutet das :
intensiver Austausch
regelmäßige Elterngespräche zum Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und zur Unterstützung bei auftretenden Problemen
flexibles Denken und Handeln
darauf zu achten, dass kein Kind zu kurz kommt
intensive Beobachtungen der Kinder
Zusammenarbeit mit den Integrationsstellen des Bezirksamtes
Ständiger Austausch mit Therapeuten, Ärzten. etc
Fortbildung zur Gestaltung integrativer Arbeit, sowie zum Erkennen verschiedener Behinderungen und Auffälligkeiten
Eventuelle Einstellung einer Stützerzieherin


Das Berliner Bildungsprogramm:

Das Berliner Bildungsprogramm wurde von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport als eine Art Qualitätsvereinbarung für Kinder von null bis zum Schuleintritt in Kindertageseinrichtungen erstellt.
Es beinhaltet sieben Bildungsbereiche:
Körper, Bewegung und Gesundheit
Soziale und kulturelle Umwelt
Kommunikation: Sprache, Schriftkultur und Medien
Bildnerisches Gestalten
Musik
Mathematische Grunderfahrungen
Naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen
Die Förderung der Bildungsbereiche sind in unserer Arbeit integriert und finden sich je nach dem Stand und den Interessen der Kinder in gezielten Angeboten bzw. Projekten wieder. Sie sind jedoch ebenso Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Die Kinder werden sowohl in ihren Ich-Kompetenzen, ihren sozialen Kompetenzen, den Sachkompetenzen, als auch in ihrer lernmethodischen Kompetenz gestärkt und gefördert.

Das Berliner Bildungsprogramm beruht auf der Grundlage, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat und die Pädagogen die Bildung der Kinder gezielt in die Hand nehmen müssen. Wir sind uns der Rechte der Kinder bewusst und auch der Wichtigkeit von Bildung.
Diese findet bei uns vielfältig und ungezwungen statt. Die Kinder sind in alle Aufgaben, Planungen, Vorbereitungen und Umsetzungen des Tagesablaufs und der Projekte integriert und bestimmen die Dauer und auch die Ziele ihrer Tätigkeiten selbst. Nur so ist es möglich den Kindern nicht ihre Neugier und Entdeckungsdrang zu nehmen und sie in ihrem Lerntempo und ihrer individuellen Vorgehensweise, sich Dinge anzueignen, ernst zu nehmen.
Die kindlichen Bildungsprozesse sind weiter gekennzeichnet als aktive, soziale, sinnliche und emotionale Prozesse der Aneignung von Welt. Wir fördern die Kinder ganzheitlich, d.h. über alle Sinne und beziehen die Kinder unabhängig ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Vorlieben und Fähigkeiten in das Geschehen aktiv mit ein.
Das Berliner Bildungsprogramm dient uns als Anregung und kann für die Reflexion der pädagogischen Arbeit genutzt werden. Es enthält viele wertvolle Hinweise, die von der räumlichen Gestaltung, über die Gestaltung des Alltags, bis hin zu Spielen und Projekten reicht. Auch die Teamarbeit, die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften und die Zusammenarbeit mit den Eltern ist im Berliner Bildungsprogramm berücksichtigt.
Wir bemühen uns alle vorgegebenen Qualitätsstandards zu erfüllen und den Kindern beste Voraussetzungen zu bieten, um alle Bildungsbereiche anzusprechen und zu fördern.
4. Inhaltliche Einzelfragen

Die Eingewöhnung:

Ein gutes Modell der Eingewöhnung sagt viel über die Qualität einer Kindertageseinrichtung aus, denn nur nach einer guten, gelungenen und sensiblen Eingewöhnung kann die Erzieherin für das Kind eine bindungsähnliche Bezugsperson darstellen. Diese Beziehung ist für das Kind im Alltag notwendig, um sich zurechtzufinden, das nötige Vertrauen zu haben, um seine Umwelt angstfrei erkunden zu können.
Hierbei geht es nicht darum, dass die/der Erzieher/in die Rolle der Mutter/des Vaters übernehmen soll, sondern, das er/sie zu einer Ersatzbindungsperson wird, die für einen Teil des Tages dem Kind die nötige Hilfe geben kann, da er/sie eine “sichere Basis” darstellt.
Erst wenn der/die Erzieher/in “Tröstungsqualitäten” erlangt hat, kann er/sie dem Kind über die Trennung von der Mutter hinweghelfen.
Wir orientieren uns bei der Eingewöhnung an dem Berliner Modell der Eingewöhnung.